
Freiburg im Breisgau. Die Stadt der hunderttausend Fahrräder, der grünen Lungen und der sonnenverwöhnten Bächle. Eine Stadt, in der man sich sonnen kann wie in einem Freiluftmuseum – allerdings mit dem kleinen, aber feinen Unterschied, dass man hier nicht nur zuschauen, sondern auch aktiv teilnehmen muss. Denn wer Freiburg wirklich erleben will, der kommt am besten zu Fuß, mit der Straßenbahn oder – falls man es besonders sportlich mag – auf dem Fahrrad. Wer jedoch mit dem Auto anreist, der sollte sich besser auf eine spirituelle Reise einstellen, bei der Geduld, Frustrationstoleranz und ein unerschütterlicher Glaube an die höhere Sache des Klimaschutzes die wichtigsten Begleiter sind.
Wer in Freiburg ein Auto fährt, betritt ein Paralleluniversum, in dem die Gesetze der Physik und der menschlichen Vernunft außer Kraft gesetzt scheinen. Die Stadt verwandelt sich in eine einzige Großbaustelle – nicht etwa, weil man endlich die maroden Straßen sanieren würde, sondern weil man an mehreren Stellen gleichzeitig den Verkehr umleitet, Fußgängerzonen ausweitet und Radwege anlegt, die so breit sind, dass man meinen könnte, man befände sich in den Niederlanden.
Besonders beliebt sind dabei Baustellen, die nicht nur eine, sondern gleich mehrere Hauptstraßen blockieren. Während man noch versucht, sich durch das Chaos zu navigieren, wird man mit Schildern konfrontiert, die einem freundlich mitteilen, dass die Umleitung über die Ausweichstraße führt – die natürlich ebenfalls gesperrt ist. Und wenn man dann endlich eine freie Straße findet, wird man von einem weiteren Schild überrascht, das einen darauf hinweist, dass man sich in einer Zone mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 oder sogar 20 Stundenkilometern befindet. Selbst auf breiten Straßen, auf denen früher zügig gefahren werden konnte, zwingt die Stadt die Autofahrer nun zu einem Schritttempo – als wäre jeder Bürgersteig eine Verlängerung des Kindergartens.
Doch das ist noch nicht alles. Wer als Anwohner sein Auto in der Nähe seiner Wohnung parken möchte, darf erst einmal 200 EUR bezahlen, um einen der begehrten Anwohnerparkausweise zu ergattern. Und selbst wenn man ihn hat, darf man sich freuen, denn die Gebühren steigen von Jahr zu Jahr. Die Botschaft ist klar: Wer nicht zu Fuß geht, nicht radelt und nicht die Straßenbahn nimmt, der gehört nicht hierher.
Ein besonders drastisches Beispiel für die autofeindliche Politik Freiburgs ist die Eschholzstraße. Was einst eine wichtige Verkehrsader war, die Anwohner und Besucher gleichermaßen verband, wird nun im Namen der Verkehrssicherheit für Radfahrer umgestaltet – und das bedeutet: 40 Parkplätze fallen weg. Die offizielle Begründung? Mehr Sicherheit für Radfahrer. Die inoffizielle Botschaft? Autofahrer sind unerwünscht.
Die Stadt argumentiert, dass weniger Parkplätze den Autoverkehr reduzieren und damit die Luftqualität verbessern. Doch was bleibt, ist ein Gefühl der Ohnmacht bei den Anwohnern, die nun noch weiter laufen müssen, um ihr Auto zu erreichen – falls sie überhaupt einen Parkplatz finden.
Touristen und Gäste aus dem Umland: Willkommen in der autofreien Zone
Wer als Tourist oder Gast aus dem Umland nach Freiburg kommt, um die Stadt zu besichtigen, der wird schnell merken: Freiburg ist eine Stadt, die sich selbst feiert – aber nur unter der Bedingung, dass man sich an ihre Regeln hält. Wer mit dem Auto anreist, der wird entweder in einem der teuren Parkhäuser geparkt, oder er muss sich auf eine Odyssee durch die Baustellen und 30er-Zonen begeben, um überhaupt in die Nähe der Innenstadt zu kommen.
Die Folge? Immer mehr Besucher bleiben einfach weg. Warum sollte man sich auch den Stress antun, wenn man stattdessen in eine andere Stadt fahren kann, in der man nicht das Gefühl hat, als Autofahrer persona non grata zu sein? Die Innenstadt leert sich zusehends, die Geschäfte klagen über sinkende Umsätze, und die Gastronomen müssen sich fragen, warum ihre Terrassen voller sind, während die Läden daneben immer weniger Kunden sehen.
Doch nicht nur Autofahrer haben es in Freiburg schwer. Auch Fußgänger müssen sich ständig in Acht nehmen – nicht etwa wegen der Autofahrer, sondern wegen der Radfahrer. Freiburg ist eine Stadt der Radfahrer, und das merkt man. Die Radwege sind an manchen Stellen tatsächlich (man glaubt es kaum) so schmal, dass Fußgänger und Radfahrer sich einen Weg teilen müssen, was regelmäßig zu Konflikten führt. Doch statt Rücksicht zu nehmen, rasen die Radfahrer mit einer Geschwindigkeit durch die Stadt, als wären sie auf der Tour de France.
Besonders beliebt ist es, wenn Radfahrer plötzlich und ohne Vorwarnung auf den Gehweg wechseln, um eine Kreuzung zu umfahren. Oder wenn sie mit voller Geschwindigkeit durch Fußgängerzonen brettern, als gehöre ihnen die Straße. Die Stadt hat zwar Schilder aufgestellt, die darauf hinweisen, dass Radfahrer absteigen sollen, doch wer in Freiburg schon einmal versucht hat, einen Radfahrer zum Anhalten zu bewegen, der weiß: Das ist etwa so erfolgreich wie ein Versuch, einen Bienenschwarm mit einem Besen zu vertreiben.
Und dann sind da noch die Autofahrer, die sich ebenfalls rücksichtslos verhalten – allerdings aus Verzweiflung. Wer in Freiburg parken will, der weiß: Die Anwohnerparkplätze sind heiß begehrt. Und wer keinen Ausweis hat, der parkt halt auf den Anwohnerparkplätzen – und riskiert lieber einen Strafzettel über 10 Euro, als sich in eine Tiefgarage zu quetschen, die genauso viel kostet wie ein Abendessen im Restaurant.
Freiburg ist eine wunderschöne Stadt. Wer zu Fuß geht, wer radelt oder wer die Straßenbahn nutzt, der wird belohnt mit einer lebendigen Innenstadt, einer entspannten Atmosphäre und einer Umgebung, die zum Verweilen einlädt. Doch wer mit dem Auto kommt, der wird schnell merken, dass Freiburg eine Stadt ist, die ihre Bewohner und Besucher in zwei Kategorien einteilt: Diejenigen, die sich an die Regeln halten – und diejenigen, die es nicht tun.
Die autofeindliche Politik hat jedoch einen hohen Preis. Die Innenstadt leert sich, die Geschäfte kämpfen ums Überleben, und die Touristen bleiben weg. Und während die Stadt stolz auf ihre grünen Lungen und ihre Fahrradfreundlichkeit verweist, fragt man sich: Ist das wirklich der richtige Weg? Oder schafft man damit am Ende nur eine Stadt, in der nur noch diejenigen willkommen sind, die ohnehin schon überzeugt sind?
Eines ist sicher: Freiburg wird weiter wachsen – nicht als lebendige Metropole, sondern als Öko-Enklave für diejenigen, die bereit sind, auf Komfort und Bequemlichkeit zu verzichten. Für alle anderen bleibt nur die Hoffnung, dass irgendwann wieder ein Parkplatz frei wird – oder dass man endlich lernt, dass man mit rücksichtsloser Stadtplanung niemanden überzeugt, sondern nur vertreibt.
super Klasse…Ricky bringt es auf den Punkt. Auch ich als Freiburger Bobbele kann dem Zeile für Zeile nur beipflichten.
Vielen Dank lieber Kai!!