Die anhaltenden Konflikte im Nahen Osten – ausgelöst durch den Hamas-Angriff auf Israel am 7. Oktober 2023 und gefolgt von israelischen Gegenoffensiven in Gaza sowie Eskalationen mit Huthi-Rebellen im Roten Meer und Spannungen zu Iran – haben die globalen Energiepreise nachhaltig in die Höhe getrieben. Ölpreise stiegen unmittelbar nach dem Angriff spürbar an, was sich auf Benzin- und Dieselpreise in Europa auswirkt und Lieferketten belastet. In Deutschland, das stark von Importen abhängig ist, spürt man das besonders: Höhere Energiekosten belasten nicht nur Autofahrer, sondern auch Unternehmen mit globalen Zulieferungen.
Ein Aspekt wird dabei oft übersehen: Die möglichen Auswirkungen auf die Beschaffung von IT-Hardware.

Der angespannte IT-Markt
Der Markt für zentrale IT-Komponenten ist ohnehin bereits angespannt. In den letzten Monaten sind die Preise für RAM, SSDs, Festplatten und teilweise auch CPUs wieder spürbar gestiegen. Gründe dafür sind unter anderem Produktionsanpassungen bei Speicherherstellern, steigende Nachfrage durch KI-Infrastruktur sowie höhere Investitionen in neue Chip-Generationen.
Wenn jetzt zusätzlich Energie- und Transportkosten durch den Nahostkonflikt steigen – etwa durch gestörte Schifffahrtsrouten im Roten Meer oder höhere Ölpreise – kann sich dieser Effekt entlang der gesamten Lieferkette verstärken.
Globale Lieferketten unter Druck
IT-Hardware gehört zu den globalsten Lieferketten überhaupt. Halbleiter werden häufig in Taiwan oder Südkorea gefertigt, Komponenten kommen aus verschiedenen Ländern in Asien, die Endmontage erfolgt teilweise in China oder Osteuropa. Anschließend werden Systeme per Schiff nach Europa transportiert und innerhalb der EU per LKW verteilt.
Steigende Dieselpreise und höhere Energiepreise wirken sich damit an mehreren Stellen gleichzeitig aus: in der energieintensiven Produktion, in der internationalen Logistik und auch im europäischen Transport. Gerade bei Hardware mit hohem Gewicht oder Volumen – etwa Servern, Storage-Systemen oder größeren Netzwerkkomponenten – spielen Logistikkosten durchaus eine Rolle im Gesamtpreis.
Konsolidierte Märkte verstärken den Effekt
Hinzu kommt, dass einige der wichtigsten Komponenten ohnehin bereits unter Kostendruck stehen. Die Nachfrage nach leistungsfähigem RAM und schnellen SSDs steigt durch den Ausbau von Cloud- und KI-Infrastruktur weltweit stark an. Gleichzeitig ist der Markt bei Festplatten oder Speicherchips relativ stark konsolidiert, sodass Kostensteigerungen schneller weitergegeben werden können.
Sollten die Energiepreise durch anhaltende Konflikte länger hoch bleiben, könnten Hersteller und Distributoren in den kommenden Wochen mit Preisaufschlägen reagieren. Erfahrungsgemäß passiert das in der IT-Lieferkette oft mit einigen Wochen Verzögerung.
Was die Bundesregierung tun könnte
Die Bundesregierung könnte hier eingreifen, um die Belastung durch steigende Benzin- und Dieselpreise abzufedern – was indirekt auch IT-Logistikkosten stabilisieren würde. Mögliche Maßnahmen wären:
- Temporäre Deckelung oder Senkung der Energiesteuer: Wie bereits 2022 bei der Energiekrise, könnte die CO2-Abgabe oder die Energiesteuer kurzfristig pausiert werden, um den Pumppreis zu dämpfen.
- Subventionen für kritische Branchen: Förderungen für Logistik- und Produktionsunternehmen, etwa durch reduzierte Mineralölsteuer für gewerbliche Nutzer.
- Erweiterung der Tankgutscheine oder Pendlerpauschale: Ähnlich wie in der Vergangenheit, um Haushalte und Pendler zu entlasten und die Kaufkraft zu erhalten.
- Diversifizierung der Energieimporte: Schnellere Förderung von LNG-Terminals und erneuerbaren Energien, um Abhängigkeit von nahöstlichem Öl zu verringern.
Handlungsempfehlungen für Unternehmen
Für Unternehmen, die aktuell Infrastruktur modernisieren oder neue Rechenzentrums-Kapazitäten planen, lohnt sich deshalb ein genauer Blick auf die Beschaffungsseite. Preisbindungen mit Lieferanten, frühzeitige Bestellungen oder ein etwas größerer Budgetpuffer können helfen, unerwartete Kostensteigerungen abzufangen.
Die Kombination aus geopolitischen Risiken im Nahen Osten, steigenden Energiepreisen und einem ohnehin angespannten Markt für Speicher- und Rechenkomponenten könnte sich sonst schneller auf IT-Budgets auswirken, als viele derzeit erwarten.